Slowenien, April 2009: Savinja und Mirjana's Lodge
Ein Reisebericht von Michael Müller

Slowenien ist ein wunderschönes Land, es hat von bizarrer, erhabener Bergwelt über saftig grüne Täler, bunte Blumenwiesen, unglaublich reizvoller Gewässer und ein gastfreundliches Volk in beschaulicher, ruhiger Ländlich- und Natürlichkeit alles zu bieten, was man sich als „sanfter“ Tourist nur wünschen kann. Gerade über den ländlichen Gebieten, abseits der mehrspurigen Straßen und der größeren Städte, liegt noch ein Hauch Ursprünglichkeit und Unverbrauchtheit, wie man ihn anderswo kaum

noch finden kann. Bleibt zu hoffen, dass dies noch lange erhalten bleibt, auch nach Integration Sloweniens in die EU, Wegfall der Landeswährung und allgemeiner Verteuerung – wie es ja auch bei uns zu Hause nach Einführung des EURO flächendeckend und allzu oft unter den Tisch gekehrt festzustellen war. In den vergangenen zwei Jahrzehnten des Tatendranges hatten wir Slowenien natürlich schon öfter bereist und dürften die Schönheit des Landes und der Gewässer kennenlernen, im Tal der Savinja jedoch waren wir vorher noch nie. Umso größer waren Neugier und Vorfreude, sollte es dort doch landschaftlich wie auch fliegenfischereilich äußerst reizvoll sein. Der von uns gewählte Zeitpunkt (letzte April-Woche) kann gut sein, birgt aber das Risiko von Schneewasser. Einen Monat später, bzw. ab 01.06. ist die Reisezeit in Bezug auf den Wasserstand, die Insekten-Aktivitäten und das Ende der Äschenschonzeit deutlich sicherer. Im Hochsommer sorgen die häufigen Gewitter mit ihren Niederschlägen öfter für eine Unterbrechung des Fischergenusses. Der goldene Herbst schließlich ist sicher eine der reizvollsten Zeiten an der Savinja. Das gute an der Savinja ist, dass sie zu allen Jahreszeiten und selbst bei hohen Wasserständen meist befischbar ist, da sie, falls vorübergehend eingetrübt, schnell wieder klar wird.
Unsere Anfahrt verlief über Nürnberg – München – Salzburg – die Tauernautobahn – Villach – Klagenfurt – Völkermarkt – Eisenkappel - über den kleinen, schmalen Paulitsch-Sattel, auf dem neben dem Neuschnee der vergangenen, niederschlagsreichen Tage noch meterhoch Schnee lag (der Schneeflug hatte zum Glück schon geräumt...) – und bis nach Luce, ohne nennenswerte Komplikationen. Da wir erst am Donnerstag-Nachmittag von zu hause aufbrechen konnten, legen wir zudem eine Zwischenübernachtung in Gmünd (vor Spittal) ein – eine empfehlenswerte Sache.

Unsere komfortable Unterkunft war Mirjana‘s Lodge, welche in der Ortschaft Podvololjek, fünf Kilometer entfernt von Luce, am Bach Lucnica und in idyllischer Umgebung liegt. Die Beschreibung des Hauses und einen Kartenausschnitt finden Sie weiter unten. Zunächst stellen wir Ihnen die Fischerei-Reviere in der oberen Savinja vor, die vom Fischereiverein Ljubno ob Savinji bewirtschaftet werden und die wir allesamt selbst befischt haben.
Die Savinja ist ein typischer Gebirgsfluss der Alpen, genauer gesagt ist sie der südöstlichste Wildfluss der Alpen. Sie entspringt in den südöstlichen Karawanken und Steiner Alpen in der Nähe zu Österreich, in bis zu 2558 m hohen Bergen aus mehreren Quellen unter dem Kar Okreselj und mündet nach insgesamt 108 Kilometern bei Radece in die breite Sava.

Die ersten, mehreren hundert Meter des Baches bilden Felsenstufen in Form von kleineren Wasserfällen und Rauschen, danach fällt das Wasser über tektonische Gletscherstufen. Der beeindruckendste Wasserfall am Beginn der Savinja ist der RINKA, hier fällt das Wasser über 90 Meter frei in Tiefe, um mit Urgewalt in das untere Becken und gleichzeitig den Beginn des Bachlaufes Kotovec auftreffen. Bei normalen Wasserständen versickert der Bach bereits nach wenigen Metern komplett im Boden, um nach rund sechs Kilometern in der CRNA Quelle neu geboren zu werden. Im weiteren Verlauf – bei Logarska Dolina – beginnt das Fischerei-Revier 1, welches sich über eine Länge von ca. 16 Kilometern bis zur Ortschaft Luce hinzieht. In diesem Revier rauscht die noch junge Savinja mit überwiegend großem Gefälle durch ihr enges, oft schluchtenartiges Tal, begleitet von der schmalen und kurvenreichen, aber außer an Wochenenden und in der Haupturlaubszeit recht wenig befahrenen Straße. Wer hier fischen will, muss gut zu Fuß sein und vor allem – er muss die „Taschenfischerei“ in Gebirgsbächen mögen.

An einigen Stellen wird die Savinja regelrecht von Felsen zu Felsen geworfen und dazwischen tun sich unergründlich tiefe, türkisfarbene Becken und Pools auf. In Verbindung mit dem kristallklarem Wasser und dem oft hellen, fast weißem Kiesbett ein optischer Genuss pur! Jeder der scheuen Fische in dieser Strecke will hart erkämpft werden, oft ist es dann eine wunderschön gezeichnete Bachforelle. Bei der Fischerei sollte der Wasserstand passen, ansonsten kommt man an viele Stellen nicht heran. Zum Zeitpunkt unserer Fischerei war aufgrund des Schneewassers noch zu viel „Druck drauf“ für eine richtig optimale Fischerei, dennoch haben wir gefangen, und das nicht schlecht. Andere Fischer haben wir hier nicht getroffen. Vor Luce weitet sich das Tal und die Savinja wird breiter. Zu finden sind hier breite, helle Kiesbänke, Rinnen, Gumpen und ein großes Stauwehr. Das besonders schöne an dieser Strecke ist neben den Forellen ein prächtiger Bestand farbenfroher und steigfreudiger Äschen! Manche der Äschen sind komplett goldfarben, andere fast schwarz und wieder andere sind silbern, aber mit violetten Kiemendeckeln! Wir sind uns natürlich darüber einig, dass die nach der eben erst zurückliegenden Laichzeit besonders hungrigen Äschen jetzt Ende April noch nicht gezielt angefischt werden sollten, so reizvoll das bei steigenden Fischen auch sein mag. Sie müssen erst wieder auf ihr „Tagesgewicht“ kommen, um später im Sommer und Herbst wieder zu einem interessanten, kämpferischen Gegner an der Fliegenrute zu werden. Revier 1 ist komplett als „Catch & Release“ ausgezeichnet, was dazu beitragen wird, dass der tolle Bachforellen- und Äschenbestand erhalten bleibt.

Bilder 1 bis 7 (oben): alle aus Revier 1

Im Ort Luce schließt sich an Revier 1 eine ca. 400 Meter lange Schonstrecke an und ab der Mündung der Lucnica beginnt Revier 2, welches rund 8 Kilometer lang ist und stromab bis zur Brücke oberhalb Ljubno reicht. Auf dem ersten Kilometer kommen ein paar interessante, breite „Äschen-Bänke“, weiter stromab verengt sich das Tal wieder und nimmt an Gefälle zu, der Fluss ist jedoch nicht ganz so wild wie in Revier 1, außerdem schon breiter. Neben den Rauschen gibt es zahlreiche schöne Pools, die zum ausgiebigen Fischen einladen. Auch in diesem Revier kann man getrost mehrere Tage fischen, ohne eine Stelle wiederholt zu besuchen. Gleich am Ortseingang von Ljubno findet man rechts am Fluss den Vereinssitz des Fischereivereins Ljubno (Einfahrt beim Schild „RIBARSKY DUM“ nicht verpassen) – ein riesiges, gepflegtes Areal mit mehreren Angelteichen, einer Fischzucht, dem Clubhaus mit Gaststätte u.v.m.. Tipp: Unbedingt mal hereinschauen! Hier trifft sich die Anglerschaft, man kann seine Tagesscheine lösen, den einen oder anderen Tipp und zu fast jeder Tageszeit etwas zu Essen bekommen. Wer Lust dazu hat (und einen Savinja Angelschein besitzt), kann im großen Teich einige Würfe mit der Fliegenrute riskieren – und hat vielleicht dasselbe Glück wie ich – schon beim ersten Wurf einen Huchen zu fangen!

Bilder 8 bis 13 (oben): alle aus Revier 2

Außerdem führt das ebenfalls zu Revier 2 gehörige, zwei Kilometer lange, so genannte „Kapitalrevier“ der Savinja an der Anlage vorbei und weiter stromabwärts bis zum Wehr zwei Brücken weiter. Aber Vorsicht! Dieses Spezial-Revier ist nur etwas für Hardcore Fliegenfischer! Der Watgrund ist schwierig, der Strömungsdruck heftig, und die sehr zahlreichen Fische nicht eben klein. Bei unserer Stippvisite herrschte nach wie vor erhöhter Wasserstand, zwar glasklar – aber mit ordentlich Druck! An viele Standplätze der großen Forellen kamen wir trotz waghalsiger Experimente nicht heran. Dennoch konnten wir einige schöne Fische überlisten, vorwiegend Regenbogenforellen. Bereits eine 50er RF im Drill kann dem Fischer bei diesen Verhältnissen das Leben ordentlich schwer machen. Herrlich! Fische zwischen 30 und 50cm sind zahlreich vorhanden, solche um die 60cm wohl nichts Besonderes und noch weit größere durchaus drin. Mehr sage ich dazu an dieser Stelle nicht... Nur noch eines: die empfohlene Gerätezusammenstellung: Fliegenrute Klasse sechs, 200er Teeny Fliegenschnur und Vorfachspitzen nicht unter 0,20mm hat absolut ihre Berechtigung und sollte beherzigt werden, die hohe Vorfachstärke schon aus Gründen der Waidgerechtigkeit. Plombiert abgerissene oder fast zu Tode gedrillte Fischen passen nicht mit einer gesunden, natur- und kreaturverbundenen Fliegenfischer-Einstellung zusammen!

Bilder 14 bis 19 (oben): alle aus Revier 2 / Kapital-Strecke

Zusammenfassend bietet Revier 2 jede Menge Abwechslung – je nach persönlichem Geschmack - und jede Menge traumhaft schöner Plätze, jedoch besonders auf der Strecke zwischen Luce und Ljubno kaum Parkmöglichkeiten... Manchmal kommt man auch bei Benutzung der kleinen Straßen auf der der Hauptstraße gegenüberliegenden Seite an Ziel, aber bitte darauf achten, nicht verkehrsbehindernd oder auf Privatgrundstücken und deren Zufahrten zu parken – wir sind hier nur Gäste und wollen doch auch zukünftig noch gerne gesehen werden...
In Revier 2 und 3 ist die Entnahme von max. zwei Regenbogenforellen oder einer Äsche pro Tag erlaubt, im „Kapitalrevier“ herrscht Catch & Release. Alle weiteren Bestimmungen, Schonzeiten, Mindestmaße, Fliegenvorschriften – erhält man in einem ausführlichen Prospekt in deutscher Sprache (und auf unten genannter Website, ebenso verschiedene Geräte- und Fliegen-Empfehlungen).
Das Revier 3 beginnt beim unteren Wehr in Ljubno und endet nach rund 6 Kilometern am Wehr in Okonina. Fluss und Tal nehmen hier an Breite zu und der Fliegenfischer findet ein weitläufiges, vielseitiges Revier vor, welches durch zwei kleine Ortschaften und etwas Kulturlandschaft führt, die Straße ist hier oft ein gutes Stück abseits. Hauptfischart ist die sehr zahlreich vorkommende Regenbogenforelle, daneben gibt es Äschen und Bachforellen. Kurz vor dem unteren Ende der Strecke in Okonina findet sich ein breiter, tiefer und sehr Huchen-verdächtiger Abschnitt (Wehrstau), der auf den letzten 200 Metern linksseitig durch einen Uferaufbau sogar ohne Anglerstiefel befischbar ist (siehe Fotos weiter unten).

Bilder 20 bis 24 (oben): alle aus Revier 3

Das Nahrungsaufkommen in der kalkhaltigen Savinja ist sehr groß, jeder Flusskiesel wird oftmals gleich mehrfach bewohnt. Die Fliegenwahl ist nicht schwierig. Für’s Trockenfliegenfischen funktionieren auch hier neben anderen Mustern Rehhaar-Sedges (Gr.8 bis 16) ausgezeichnet. Goldkopf- und andere Nymphen in gedeckten Farben fangen beim Nymphenfischen gut. Beim Streamerfischen geht fast jede Farbe, wir haben mit schwarzen Mustern ebenso gut gefangen, wie mit braunen, gelben, weißen oder gar pinkfarbenen Streamern. Wichtig ist hier ein gutes Spiel der Materialien. Wichtig: Widerhaken sind nicht erlaubt, diese sind anzudrücken bzw. abzufeilen.

Mirjana’s Lodge liegt etwa 5 Kilometer von Luce entfernt, im Tal der munter dahin plätschernden Lucnica, in der Ortschaft Podvololjek. Das dreistöckige Landhaus befindet sich an einem Berghang, in idyllischer Lage, eingebettet zwischen zwei rauschenden Quellbächen, totale Romantik pur (inklusive Feuersalamander)! Das Haus bietet allen angemessenen Komfort, den man als Fischergast nebst Begleitung erwarten kann. Im Dachgeschoss befinden sich 3 Schlafzimmer, eines davon mit Toilette, das mittlere Geschoss beherbergt einen komfortablen Wohnbereich, mit Einbauküche, Esstisch, Couch, Ofen, Badezimmer, Balkon und SAT-TV, im Erdgeschoss befindet sich ein großer, neu eingerichteter Mehrzweckraum, (mit einem sehr interessanten Tisch, s.u.), einer Küche, Tiefkühltruhe, Waschmaschine & Trockner, Wathosentrockenraum, usw.. Das Haus ist zentralbeheizt, warmes Wasser ist selbstverständlich, den Ofen im Wohnzimmer kann man zusätzlich mit dem reichlich vorhandenen Brennholz befeuern. Auf dem Balkon kann man herrlich sitzen und einen großartigen Ausblick genießen, für weitere Freiluft-Party-Aktivitäten befinden sich vor dem Haus Tische und Bänke sowie ein Grillplatz. Etwas unterhalb und für Kontroll-Freaks jederzeit im Blick befinden sich die PKW-Stellplätze. Fünf Personen kommen im Haus bequem unter, wenn der Raum im EG mitbenutzt wird, auch noch ein paar Leute mehr. Schöner als in Mirjana’s Lodge kann man als Fischergast an der Savinja nicht wohnen, das ist zumindest unser Eindruck. Und wenn irgend ein Wunsch besteht: Nachbarin Mina kümmert sich um alles! Bei Ihr gibt es auch die Angelkarten...

Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge
Mirjana´s Lodge

Bilder 29 bis 37 (oben): Mirjana's Lodge

Unser Fazit: Eine tolle, abwechslungsreiche Fischerei auf vielen Kilometern, in einem traumhaft schönen Fluss, ein wunderschönes, gastfreundliches Land und eine super Unterkunft sollten jeden Fischerurlaub zu einen solchen machen, an den man sich immer wieder gerne erinnert. Übrigens auch die nicht fischende Begleitung!

Informationen, Tipps und WWW-Adressen:

Falls Sie so zeitig im Jahr wie wir über den Paulitsch-Sattel nach Slowenien einreisen möchten, sollten Sie Winterreifen haben oder zumindest Schneeketten für den Notfall im Gepäck. Die Überraschung, welche uns auf der Rückfahrt auf dem Sattel erwartete, wo der Regen als Neuschnee liegen blieb, war nicht von schlechten Eltern, kostete uns aber mit viel Glück nur eine Stunde extra...
 
Fischereiverein Ljubno ob Savinji: www.rd-ljubno.si
Übernachtung in Gmünd / Österreich: www.pension-dullnig.at
Slowenien Infos: www.slovenia.info

Kartenausschnitte / Anreise & Lage: (Klick 1) | (Klick 2) | (Klick 3)

... und zum Abschluss noch einige stimmungsvolle Bilder:

Ein Bericht von Michael Müller für www.fliegenfischer-forum.de Fotos: M.Müller / S.Müller. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.

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